Das Gebiet des Falzaregopasses war im Laufe der Jahrhunderte eine wichtige Verbindungsstraße zwischen den ladiner Tälern von Ampezzo, Livinallongo und Val Badia.
47 Historische Postkarten aus den Jahren 1920 - 1950 von Cortina und der Umgebung.
In den Fels gehauene römische Inschriften auf dem Monte Civetta
3 - Die Römer bei der Civetta Zuglio Carnico Valle di Cadore, Aguntum, Sebatum, Feltre, Meran
Die Römer kamen ins Cadore, höchstwahrscheinlich über Aquileia und Julium Carnicum (das heutige Zuglio), auf der Bernstein-und Salzstraße, die von der Adria nach Nordeuropa über den Paß Montecroce Carnico führte. Man muß bemerken, daß um das 1. Jahrhundert unsere Gegend zu diesem Munizipium gehörte. Außerdem bestand schon entlang der Piave das Munizipium Belluno, dessen Gebiet an das Julium angrenzte. Noch etwas weiter unten befand sich das Munizipium Feltre, das an Trient angrenzte; alle beide wurden von Livio "Retica Oppida" definiert, also im Gebiet von Rätien, aber Feltre war es wahrscheinlich nur am Rande. Vor einiger Zeit wurden an den Hängen des Civetta zwei Inschriften, eingemeißelt in den Fels und eine unvollständige dritte entdeckt, auf denen FIN BEL JUL zu lesen ist. Nach den Wissenschaftlern der Universität Padova bedeutet dies Grenze (des Munizipiums) von Belluno (mit dem Munizipium) von Julium Carnicum. Also schon damals hatte unsere Gegend ihre westliche Grenze zwischen dem Pelmo und dem Civetta. Aus anderen Quellen ergibt sich, daß sie im Norden bis an das Tal der Rienz-Drau (dem heutigen Pustertal) reichte. Eine Grenze, die im Lauf der Jahrhunderte nur wenige Veränderungen erfahren hat.
Die Mulde von Ampezzo oder "Ampez" und in lateinisch "Ampitium", wie einst unser Tal hieß, befand sich in der nord-westlichen Ecke; Cortina (Curtis in latein) war nur die zentrale Siedlung. Falls die Römer in Cortina waren, warum haben sie dann keine Spuren hinterlassen? Vor einigen Jahren noch hätte man geantwortet, daß das Tal keine seßhaften Bewohner hatte, sondern nur zeitweilig, während der schönen Jahreszeit, bewohnt war. Heute ist man etwas vorsichtiger, gerade wegen der paleovenetischen Funde in der näheren Umgebung von Cortina. Eine sichere Antwort kann nur eine systematische Ausgrabung geben. Sicher ist, daß die Römer rund um Cortina waren. Im Norden, über den Bergen, haben sie eine konsularische Straße mit einer wichtigen Siedlung in Sebatum (Peripherie von Bruneck), dutzende von Meilensteinen zwischen Sterzing und Innichen, und eine Stadt mit Häusern, Thermen, Märkten und einem Forum in Aguntum (Peripherie von Lienz) hinterlassen.
In Valle, 18 km südlich, befand sich eine Niederlassung, aus der ein Gedenkstein aufgetaucht ist, der an die Stiftung einer Sonnenuhr durch einen gewissen Lucio Saufeio erinnert. In Pieve, nicht weit entfernt, wurden eine Heizanlage einer herrschaftlichen Villa (Kellergeschoß des Rathauses) und ein wertvoller Mosaikfußboden (Palast der Gemeinschaft) ausgegraben. Zwischen Valle und Perarolo kann man wichtige Reste einer römischen Straße bewundern. In Pozzale, Calalzo, Vallesella, Lozzo wurden Gräber mit wertvollen Gegenständen und Geldstücken gefunden. Die Römer waren vor allem in Belluno gegenwärtig, wo auf zwei Denkmälern der Name des Stammes der "Catubrini" erwähnt wird, der mit Holz handelte, unterstützt von einem gewissen Marco Carminio Pudente Steuereintreiber und sein Beschützer "Patrono Catubrinorum". In der Nähe von Feltre führte die großartige Konsularstraße Claudia Augusta vorbei, 350 Meilen lang, zwischen Altino an der Adria und der Donau, durch Meran und über den Reschenpaß "quam Drusus pater Alpibus bello patefactis derexerat"...