Das Gebiet des Falzaregopasses war im Laufe der Jahrhunderte eine wichtige Verbindungsstraße zwischen den ladiner Tälern von Ampezzo, Livinallongo und Val Badia.
47 Historische Postkarten aus den Jahren 1920 - 1950 von Cortina und der Umgebung.
Eine Schutzhütte für Schafhirten.
Illustrierung aus "Im Hochgebirge", von E. Szigmondy, Leipzig 1889
4 - Die Dunkelheit unter den Langobarden, Franken und Ottonen
Ab dem Ende des Römischen Reiches fast acht Jahrhunderte lang erzählt uns die Geschichte nichts mehr weder von Cortina noch von den Einwohnern des Cadore. Es besteht keine Aufzeichnung, kein Denkmal, kein Grab, kein Gebäude, auch kein Stein, um zu bezeugen , wie sie lebten, welche Bräuche sie hatten, wo sie wohnten. Nichts. Uns umgibt die tiefste Dunkelheit. Aber gerade in diesem langen Zeitraum entwickelt sich die Gemeinde von Ampezzo mit seinen beneidenswerten Strukturen und Institutionen. Einige Details und wertvolle Informationen können wir aus der Geschichte der Nachbarländer entnehmen.
Man schätzt, daß die Völkerwanderungen neue Einwohner in unsere Täler gebracht haben, die aus den unsicheren Städten flüchteten. Es ist auch der Moment, in dem die Paleovenetier (oder Veneter), die in den Tälern der Rienz und der Drau siedelten, nachdem sie friedlich den Einfluß der Römer absorbiert hatten, in die bisher wenig oder gar nicht besiedelten Täler Fassa, Badia, Gröden und Livinallongo flüchteten, und so die sogenannten Ladiner der Dolomiten ins Leben riefen. Weiter östlich flüchteten andere Stämme in versteckte Täler des Hochkarn und des Comelico.
Andere Erwägungen beziehen sich auf den langen Zeitraum, in dem die Langobarden in Italien regierten. Es scheint festzustehen, daß von ihnen das Cadore (und Ampezzo) das politische System des "Dekanants" übernommen hat, indem sie das Gebiet und seine Bewohner in zehn Gemeinden aufteilten; die "zente" oder "Zenturien" oder "Zentenaren", die die Zahl der Bewaffneten rechtfertigte, die jeder Ort für die gemeinsame Verteidigung zur Verfügung stellen mußte. Man nimmt an, daß das Cadore von ihnen die grundlegende Institution der Familien-Gemeinschaft, "Regole" genannt, mit dem kollektiven Grundbesitz übernommen hat, der frei von feudalischen Verpflichtungen und Abgaben war.
Von den Franken könnten andere Institutionen stammen, wie z.B. der Landvogt als Verwalter der Justiz.
Unter der Herrschaft der Franken wurde das Benediktinerkloster in Innichen im Pustertal gegründet, das vom bayrischen Herzog Tassilo (770) zur Verteidigung seiner südlichen Grenze gedacht war. Seine Gerichtsbarkeit grenzte an die des Cadore. Und ungefähr am Ende dieser Epoche entstehen die Sprachgrenzen. Nördlich der Alpen, in den Gebieten , die von den Bajuwaren (Bistum Freising) besetzt sind, verbreitet sich die deutsche Sprache; im Süden die lateinische und später die italienische. Außerdem wird in den Familien eine Sprache gesprochen, die vom Lateinischen kommt, das "Ladino".
Berengario (923) erwähnt zum ersten Mal den Namen Cadore in einem Pergament, in dem er dem Bischof Aimone das Recht an einer Kapelle in der Gegend von Treviso "cum decimis de Cadubrio" bestätigt. Die Dunkelheit beginnt, sich zu lichten.
Es vergehen ungefähr weitere hundert Jahre (1077) und man begegnet Kaiser Heinrich IV., der dem Patriarchen von Aquileia die Herrschaft über Friaul zubilligt, und es so unabhängig von der Mark Verona macht. Zum Gebiet des Friaul gehören das Cadore und Ampezzo. Von jetzt an ist das Gebiet treuer Untertan der Patriarchen: zeitlich gesehen bis 1420, als es Alliierter Venedigs wird; mit dem Herzen bis 1750, als Kaiserin Maria Theresia vom Papst die Abschaffung des Patriarchats errreicht.