Das Gebiet des Falzaregopasses war im Laufe der Jahrhunderte eine wichtige Verbindungsstraße zwischen den ladiner Tälern von Ampezzo, Livinallongo und Val Badia.
47 Historische Postkarten aus den Jahren 1920 - 1950 von Cortina und der Umgebung.
Die Burg Beutelstein hoch auf dem Fels dominiert die Strasse. Phantasie Gravierung eines deutschen Künstlers um 1700
5 - Der Name auf dem Pergament. Lang lebe Botestagno
Am 15. Juni 1156, dem Fest von St. Veit Märtyrer, kauften zwei Brüder namens Giovanni und Paganello von einem Einwohner Trevisos ein Grundstück, das sich, sagen sie dem Notar, in "Ampitium Cadubri" befindet. Es ist das allererste Mal, daß der Name Ampezzo erwähnt wird; und es ist auf einer Urkunde geschrieben, die sich im Archiv von S. Vito befindet, weil in diesem Ort, 10 km von Cortina, die Käufer wohnten.
Im Jahr 1156 war unser Tal also bewohnt und nicht erst seit kurzem, wenn dort schon Leute aus Treviso Eigentum frei von Zwängen besaß, denn der Notar beurkundet es, ohne weitere Erklärungen zu verlangen. Seit wann also? Seit der Zeit der Völkerwanderungen? Seit der Zeit der Römer, oder warum nicht, seit der Zeit der Veneter, die ihre Nachrichten in etruskisch schrieben? Man weiß es nicht.
Das zweite Dokument stammt aus dem Jahr 1175, zwanzig Jahre später, und berichtet von einem anderen Verkauf, den der Notar als "Ort genannnt Botestagno di Cadore" beschreibt. Der Verkäufer ist ein Adliger aus Welsberg, der Käufer Gabriele da Camino, der vereinbarte Preis "60 veronische Lire", Es handelt sich um ein ziemlich gutes Geschäft mit vielen Zeugen, die der Notar genau aufzählt als "einige Römer, Langobarden und Deutsche, die Ladiner Ruopreto und seine Brüder Almerico und Federico Rugiger; zuletzt die Cadoriner Leonardo aus Lorenzago, Gerardo aus Vallesella, usw..."
Damals existierte also in Botestagno, 4 km nördlich von Cortina ein befestigter Posten oder eine Burg, aber in der Urkunde wird das nicht erwähnt; dennoch dachten höchstwahrscheinlich alle bei dem verkauften Gut an dieses. Warum nur? Man weiß es nicht. Dieser zweite Verkauf, zeitlich gesehen, bestätigt uns eine sehr interessante Gegebenheit. Die Täler um Cortina waren von ziviler Bevölkerung bewohnt, schon in einer Gemeinschaft organisiert, Cadore genannt. Einige der Bewohner sprachen deutsch, andere waren stolz auf ihren römischen Ursprung, andere fühlten sich als Nachkommen der Langobarden, zwei wollten Cadorini genannt werden und andere nannten sich einfach "Ladini". Das waren (sind) die Söhne der Urbewohner der Täler. Alle Anwesenden beim Verkauf, der Notar, die Vertragspartner und die Zeugen kannten die lateinische Sprache, die offizielle Sprache der Notare, Pfarrer, Händler und Reisenden, und in ganz Europa als universelle Sprache bekannt. Aber alle sprachen in der Familie ihre Muttersprache oder ihren Dialekt.
Mit diesem Geschäft, aufgezeichnet in einer Urkunde, die in Pieve aufbewahrt wird, tritt Cortina tatsächlich in die Geschichte ein. Man begreift, daß es sich in der Nähe einer wichtigen Verbindungsstraße befindet, die "strada regia", von der wir noch sprechen werden; daß sich in seinem Rücken ein befestigter Posten, also die Burg Botestagno, befindet; und daß es letztendlich in der Gemeinschaft des Cadore eingefügt ist, in der Gerichtsbarkeit des Patriarchats von Aquileia. Die Ampezzaner unterhalten Beziehungen mit den Deutschen im Norden, aber noch mehr mit den Nachbarn im Süden, mit denen sie eine gemeinsame Sprache haben, dem Ladinisch.