| ZWEI BURGEN: PIEVE UND BOTESTAGNO Der erste befestigte Ort, von dem man im Cadore hörte, befindet sich auf einem Hügel im Zentrum der Region, da, wo die Täler der Boite und der Piave aufeinandertreffen. Dort erhob sich einst die "Pieve", also die Kirche des Volks "Plebs, plebis", von der alle anderen neun Kirchen des Cadore abhingen. Dank ihrer Lage wurde die "Pieve" bald der wichtigste Ort. Die Burg, erbaut auf dem höchsten Punkt, wo sich schon zur Zeit der Heiden eine Kultstätte befand, diente zur Kontrolle und zur Verteidigung. Von dort sandte und erhielt man Rauchzeichen (Feuerzeichen ?), in gefährlichen Zeiten konnte sich das Volk dort in Sicherheit bringen; das letzte Mal geschah das im Krieg gegen Maximilian. Die Burg war, wie man aus den alten Drucken entnehmen kann, ziemlich groß, über zwei Stockwerke mit einem Hof in der Mitte und dem Eingang auf der nord-westlichen Seite. Mit den anderen drei stand es am Rand des Hangs, der zum Tal hingeht. Sie hatte viele Zimmer für die Unterkunft der Wachsoldaten und des Kapitäns, oft mit seiner Familie. Im Erdgeschoß befanden sich auf der nördlichen Seite die Kerker und die Keller, während sich auf der sonnigen Seite die Lager und Waffenkammern befanden. Auf der Seite gegen Pieve hin war eine Kapelle, die alles Gerät für die Gottesdienste hatte. Eine besonders schöne Statue, dem Mino von Pisa zugeschrieben, und zwei Altarbilder aus der Schule des Vecellio, von denen man annimmt, daß sie zur Ausstattung der Kapelle gehörten, befinden sich heute in der Pfarrkirche. In der Burg hatte die Militärmacht der Gegend ihren Sitz. Einer der wichtigsten Persönlichkeiten, die sich dort aufhielten, war der Patriarch Bertrando, als er aus Aquileia kam, um die Huldigung der Cadoriner anzunehmen. Hundert Jahre später wohnte in der Burg der Vertreter Venedigs mit dem Grad eines Hauptmanns. Während des Kriegs von Cambray hält er sich in der Burg von Pieve auf, von wo aus die Verteidigung des Cadore organisiert wurde. Nach der mageren Figur des Hauptmanns Gissi (1508) und nach der Wiederbesetzung durch Venedig, hielt die Burg mehr als zwei Jahre der Belagerung Maximilians stand (1511), also bis zum Ende des Krieges.. Die zweite Burg zur Verteidigung des Gebiets ist Botestagno, im Norden des Ampezzaner Tals, dort wo die Straße den Lauf der Boite verläßt, um den Felizon-Bach hinaufzusteigen bis zum Cimabanche-Paß. Während die Befestigungsburg von Pieve wahrscheinlich schon in der Zeit der Römer bestand, wie man aus den archäologischen Funden ersehen kann, weiß man so gut wie gar nichts vom Ursprung Botestagnos. In seiner Geschichte Cortinas (Mursia, 1974) nimmt Giuseppe Richebuono an, daß der erste befestigte Ort in der Zeit der Völkerwanderungen entstanden sein könnte. Die ersten im V VI Jahrhundert, die dem Römischen Reich ein Ende setzten oder die darauffolgenden der Slawen, die den Lauf der Drau hinaufzogen und Aguntum (Lienz) zerstörten oder noch später mit den Bajuwaren? Wer weiß? Botestagno, auf deutsch Beutelstein, genauer gesagt "Fels über der Boite", ist ein Fels, der von der Natur uneinnehmbar auf drei Seiten, wo sich die Bäche auf seiner Basis vereinigen, gemacht wurde; auf der nördlichen Seite wurde die Burg von einer gewaltigen Mauer geschützt. Die Straße, die Innsbruck und Deutschland mit Venedig verband, war unter dem Beschuß seiner Feldschlangen. Die Straße, ca. 2 m breit, nicht mehr als ein Saumpfad, führte den Hang hinauf, der zur Boite schaute, zog über den Abgrund einer Felsfurche und überquerte ihn auf seinem äußeren Rand. In der Burg mußte die Maut bezahlt werden. Man nimmt deshalb an, daß Botestagno, bevor es ein Bollwerk wurde, wahrscheinlich eine "Grenze" war, um Händler und Pilger zur Kasse zu bitten. Die Burg hatte einen Brunnen für das Wasser, Kellerverließe für die Gefangenen, Keller, drei große Zimmer für die Soldaten und den Hauptmann und eine kleine Kapelle, wo, wie die Chronik berichtet, die Kinder des Hauptmanns getauft wurden. Rings um den Felsen war ein kleiner Bauernhof mit Feldern und Weiden, eine Mühle, in der Korn gemahlen wurde und Wälder für das Brennholz. Wie wir schon gesehen haben, tritt Botestagno in die Geschichte von Cortina mit dem Kauf der umliegenden Grundstücke durch den Graf von Camino, Lehensherrn des Patriarchen, ein. Fast drei Jahrhunderte ist es Bollwerk gegen die Einfälle aus dem Norden. Mehrere Male rückt die Bevölkerung von Ampezzo aus, um es zu verteidigen. Als Venedig davon Besitz nimmt (1420) wird es ausgebaut und uneinnehmbar gemacht, weil, wie der Doge schreibt, der Ort "magni momenti", also sehr wichtig für die Verteidigung der Republik war. Während des Kriegs von Cambray trotzte die Burg drei Jahre lang der Belagerung, und Maximilian eroberte sie nur durch Verrat. Seit damals (1511), hatte ein Tiroler Hauptmann das Kommando und die Gemeinde von Ampezzo, vom Cadore abgelöst, wurde Teil des österreichischen Kaiserreichs. Heute befindet sich der stilisierte Umriß Botestagnos im Wappen von Cortina. |
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