Wir gehen einen Schritt zurück, um die Patriarchen von Aquileia besser kennenzulernen, unter derer direkten Herrschaft unser Ort ein glückliches Jahrhundert verbracht hat. 1347, die Schwestern Camino beweinten ihr verlorenes Berglehen, Karl IV. war nach Böhmen zurückgekehrt und der Patriarch, den Dante "den guten Bertrando" nannte, nahm Besitz vom Cadore. Am 31. Mai empfing er im Schloß von Pieve die 50 Abgeordneten der zehn Zenturien, die gekommen waren, um ihm untertänigst den Ring zu küssen. Sie waren vorallem gekommen, um einige "kleine" Forderungen zu stellen, denen seine Heiligkeit freundlicherweise zustimmte.
Für die Zenturie von Cortina waren der Marigo Zanetto Costantini, die Beamten Giovanni und Zanetto von Campo, Bambanino und Giacomo, der Wirt von Acquabona zugegen. Der Gerichtsschreiber Odorico Soldano schrieb so diesen großen Augenblick nieder. "Wir Bertrando, aus Gottes Gnaden Patriarch des Heiligen Stuhls von Aquileia, in Anerkennung ihrer Treue und Ergebenheit, haben die uns unterbreiteten Bittgesuche empfangen und billigen sie in unserem Namen, im Namen unserer Nachfolger und der Kirche von Aquileia". Wir haben das in weniger erhabene Wörter zusammengefaßt. Der Patriarch würde einen Gouverneur senden, der im Grade wäre, die beiden Burgen zu verteidigen und einen Landvogt, um die Rechtssprechung zu verwalten. Kein Fremder hätte das Recht gehabt, Waren im Cadore zu transportieren, einem Sonderrecht, das schon immer den Cadorinern vorbehalten war und das sie abwechselnd ausübten, genannt "a rodolo". Alle Gepflogenheiten, Vorschriften und Gesetze, die sie in einem "corpus", Statuti genannt, kodifiziert hatten, wurden bestätigt, genauso wie alle zukünftigen Änderungen, die zur Anerkennung einer Prüfung unterbreitet werden mußten. Kein Cadoriner mußte seine Heimat verlassen um Soldat zu werden, außer um das Gebiet der Heiligen Kirche von Aquileia zu verteidigen. Schließlich wurde die Einheit des Gebiets Cadore und Caprile bestätigt mit allen Rechten auf Bergwerke, Besitztümer und Gerichtsbarkeit, von Ospitale nördlich von Cortina bis Termine auf der Straße nach Belluno. Dies waren fast revolutionäre Zugeständnisse, die die 50 Abgeordneten während der zehn Jahre nach der Herrschaft der Camino geplant hatten. Nun, dank des günstigen Moments, wurden diese Pläne in Rechte verwandelt. In den folgenden sechs Jahrhunderten waren diese die Grundlage ihrer prächtigen und beneidenswerten Unabhängigkeit.
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