DER STOLZ IN OSPITALE D‘AMPEZZO

Am 30. Oktober 1226 weihte der Hilfsbischof von Aquileia in Ospitale auf der Straße nicht weit vom Cimabanche-Paß die Kapelle, gewidmet dem Hl. Anton Abt, ein, die die Gemeinde von Ampezzo gerade erbaut hatte. Es waren viele Gläubige, die von Cortina heraufgepilgert waren, zugegen. Außerhalb der Kapelle stand eine kleine Gruppe von Personen mit ernstem Gesicht, fast finster, trotz des festlichen Augenblicks. Als sich die Zeremonie dem Ende zuneigte und der Prälat mit Mitra und Hirtenstab durch das Portal trat, traten zwei Personen zu ihm, stellten sich als Ermanno Bonelli und Azzone, Sohn des Elias vor und sagten, daß sie im Namen der Regola von Vinigo eine Warnung aussprechen wollten.

"Niemand, von wo er auch kommt, auch wenn er im Namen des Herrn Papstes oder des Herrn Kaisers oder des Herrn Patriarchen oder der Herren von Camino käme, hat das Recht, diesen Grund, den diese Regola gespendet hat, um die Kirche zu erbauen, als Besitzer zu überschreiten und noch weniger den Leuten aus Vinigo zu verbieten, ihre Weiden und umliegenden Wiesen zu benützen, wie sie es immer seit Jahrhunderten taten". Ein Notar, den sie mitgebracht hatten, nahm alles im Beisein von Zeugen, Paesio aus Comelico, Girardini aus Vallesella, Mainardi, Azzolino und Azzone aus Pieve und anderen auf. "Ego Gerardus sacri palatii notarius interfui rogatus et hanc fideliter scripsi". Ein kleines Pergament, natürlich in Latein, um die Geburt der ältesten Kirche Cortinas zu dokumentieren, der nördlichsten des Patriarchats Aquileia. Aber auch zugleich den Stolz der Bauern von Vinigo (Gemeinde Vodo), die seit undenklichen Zeiten friedlich diesen Teil des Tals jenseits von Ampezzo besetzt hatten, um dort das Vieh auf die Alm zu führen. In sonniger Lage hatten sie das Haus des Hirten gebaut, in dem den Pilgern, die ins Heilige Land zogen und den Händlern mit ihren Waren aus Deutschland im Namen Gottes "aquam et Ignem" angeboten wurde, als Hospiz, von dem der Name des Ortsteils Ospitale abgeleitet wurde.

Die Kapelle, später den Hll. Nikolaus und Blasius geweiht, wurde während des Kriegs von Cambray schwer beschädigt. 1572 ließ sie Benedetto Hebenstreit, der das Kommando von Botestagno hatte, restaurieren und sie bekam das heutige Aussehen. Kaiser Josef II., der mutige Reformator der überschüßigen religiösen Strukturen, vor allem Klöster und Abbazien, die die Monarchie belasteten, befahl ihre Schließung. Nach seinem Tod durfte die Gemeinde sie wieder eröffnen um sie später (1792) der Regola von Lareto zu schenken, in deren Besitz sie heute noch ist.

In der kleinen Kapelle sind Kunstschätze aufbewahrt. Auf dem Hauptaltar befindet sich ein Altarbild der Madonna zwischen den beiden Schutzheiligen, Blasius mit der Kerze in der Hand und Nikolaus. Es wird einer deutschen Schule zugeschrieben; neuere Nachforschungen haben ergeben, daß es ein Werk von Leonard Beck ist, einem Maler, der in Schwaben zwischen 1480 (ca.) und 1562 gelebt hat.

Die zwei Seitenaltare wurden, vielleicht während der ersten Rekonstruktion beseitigt, aber es sind schöne Antependium in buntem Leder vorhanden. Drei Gruppen von Freskenmalerei, restauriert von G. Tiozzo, führen uns bis zum ursprünglichen Bau. Sie befinden sich außen, deshalb haben sie witterungsbedingte Schäden davongetragen. Heute befinden sie sich auf der hintersten Wand. Auf dem am meisten artikulierten Fresko – obgleich es auch das am wenigsten deutliche ist – erkennt man St. Nikolaus, der von Seeleuten auf einem Schiffchen während eines Unwetters um Hilfe angerufen wird. Auf dem seitlich davon erkennt man wieder St. Nikolaus mit der Jungfrau und St. Blasius, während man auf dem dritten einen starken St. Christopherus mit dem Kind auf der rechten Schulter bewundern kann. Das darf nicht verwundern, da er der Schutzheilige der Wanderer ist, und keine andere Kirche im Tal ist so dafür geeignet wie diese von St. Nikolaus.

Der 1. Weltkrieg, der auf diesen Bergen fast 30 Monate lang ausgetragen wurde, hatte sie schwer beschädigt und dank der "Regolieri" von Lareto wurden alle Schäden behoben.

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