ZU DER VERTEIDIGUNG DES ORTES

Auch die Kirche, die der Madonna der Verteidigung geweiht ist, ist mit der großen Pilgerstraße verbunden, die von Nordeuropa nach Venedig führte um von dort ins Heilige Land überzusetzen. Ihnen widmeten sich die freiwilligen Helfer der „Brüderschaft der Geschlagenen“, die sie in kirchlichem Geist unterstützten, vorallem wenn sie krank waren und sie, wenn es nötig war, begruben.

Nach den Chroniken erhielten die „Geschlagenen“ 1347 eine Erbschaft von einer Wohltäterin namens Alegranzia Della Bona, ein Haus um ein Hospiz zu errichten, ein Grundstück neben dem Steg beim Bigontina-Bach und Geld, um eine Kapelle zu erbauen. Das Testament setzte außerdem fest, daß diese Gedächtniskapelle auf allen vier Seiten mit religiösen Bildern bemalt werden sollte, unter anderem mit einer Jungfrau mit Kind, wie sie es in einer Kirche der Minoriten in Venedig gesehen hatte. Man weiß nicht, ob das Vermächtnis ausgeführt wurde. Im Winter 1410 wurde dieses Problem wieder aktuell, als auf der Paßhöhe von Cimabanche eine Schar bewaffneter Deutscher gesichtet wurde. Die Truppen des Cadore eilten den Soldaten von Botestagno zu Hilfe, um den eindringenden Feind zurückzuschlagen. Sofort sagte man, daß die Madonna den Kämpfern geholfen hatte. Das geschah sicher an einem 19. Januar, ein Tag, der ab da Fest in Ampezzo ist. Das Gelübde sah eine richtige Kapelle anstelle des kleinen Gebäudes der Alegranzia vor, die wirklich gebaut und 1482 vom Bischof von Bagnorea eingeweiht wurde, da, wo die Verteidigungskirche steht. Im Lauf der Zeit wurde auch diese Kapelle für die vielen Gläubigen und Pilger zu klein.

Den Gedanken, eine größere zu errichten, hatte 1743 der Pfarrer Don Francesco Caldara, der jedoch vor der feierlichen Einweihung im Jahr 1751 starb. Es ist die Barockkirche, die wir heute bewundern.

In der Ära von Josef II. wurde auch diese Kirche, wie schon die Kapelle von Ospitale, für Gottesdienste geschlossen. Als der Gemeinde 1790 erlaubt wurde, sie wieder zu eröffnen, wurde feierlich beschloßen, immer am 19. Januar das Fest zur Erinnerung an die glückliche Schlacht vor vier Jahrhunderten zu feiern.

Unter den zahlreichen Kunstschätzen kann die Decke bewundert werden, auf der die Schlacht um Cimabanche verewigt wurde, die von den Schülern Tiepolos (wenn nicht direkt von ihm) gemalt wurde mit der Madonna, die stolz das Schwert gegen den Feind in der Hand hält. Man findet hier außerdem die zwei Altarbilder, die Anton Zeiler 1775 für die Pfarrkirche gemalt hatte und die 1881 hierher gebracht wurden. Außerdem kann man den hölzernen Altar, der um 1750 von Domenico von Bruneck geschaffen wurde, bewundern. Aus dem Rechnungsbuch der Kirche ersieht man, daß für ihn 1.024,09 Lire bezahlt wurde.

Eine spezielle Erörterung verdient die Statue der Jungfrau mit dem Kind im Arm, die sich in der Mitte des Altars unter einer vergoldeten Kupferkuppel befindet. Leider erlaubt es die wertvolle Ausstattung, die sie schmückt nicht, sie so zu bewundern, wie sie es verdient hätte. Deshalb müßen wir uns mit Photographien begnügen. Es handelt sich um ein Werk in vergoldetem, bemalten Holz, ungefähr 40 cm hoch, ein kleines Meisterwerk, das die Experten dem Ende des 1400 zuordnen. Man diskutiert darüber, ob die Madonna im Original ein Schwert in der rechten Hand hielt, wie die gleichnamige aus der Schule von Tiepolo an der Decke, oder einen Apfel, wie einige Kritiker wollten. Eine Jungfrau, die ein Schwert hält, während sie auf dem anderen Arm ein Kind trägt, ist sicher ungewöhnlich, aber die jahrhunderte alte Überlieferung sieht sie als „Virgo defensionis“.

Und die Geschichten, die man den erstaunten Kindern erzählte? Und die Legende von den Goten, die den Falzarego hinabzogen und sich gegenseitig umbrachten? Und das Gedicht vom Schnee, der im Sommer fällt und das Gebiet abgrenzt, wo die Kapelle gebaut werden soll? Alles nur schöne Geschichten.

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