| MIT DEN HEILIGEN PHILIPP UND JAKOB. Wir haben gesagt, daß der aus den Wäldern kommende Reichtum alle Bedürfnisse des Ortes befriedigen konnte; das sieht man z.B. am Bau der prächtigen Barockkirche, die ganz von der Gemeinde zwischen 1768 und 1775 finanziert wurde. An der gleichen Stelle existierte schon eine Kultstätte, man denkt schon vor 1200, als Cortina von der Kirche Pieve abgetrennt und zu eigener Pfarrei erhoben wurde. Wie groß dieses Gebäude und in welchem Stil und wann es erbaut worden war, ist nicht bekannt. Es ist jedoch bekannt, daß die Kirche im Krieg von Cambray so erheblich beschädigt wurde, daß, als der Frieden wieder eingekehrt war, der Hilfsbischof von Aquileia, der 1576 Ampezzo besuchte, befahl, sie zu restaurieren. Nachdem die Bevölkerungszahl gewachsen und sie zu klein geworden war, dachte man Anfang ‚‘700, daß es sich nichtmehr lohnte, sie noch einmal auszubessern. Den Auftrag, sie ex novo zu erstellen, erhielt Giuseppe Costa, Architekt aus Badia, der einen Kostenvoranschlag von 8.000 Goldgulden unterbreitet hatte. Das alte Gebäude wurde dem Erdboden gleichgemacht. Alle Kirchengeräte wurden gerettet, inklusive dem Hauptaltar, Werk von Andrea Brustolon (1662-1732), der damals das Altarbild von Antonio Zanchi (1631-1722) enthielt; den Seitenaltar der Madonna del Carmine mit dem Altarbild von Antonio Lazzarini (1672-1732) und die Orgel von Franz Keckt aus Brixen aus dem Jahr 1703, die alle in einem Heuschober untergebracht wurden. Man grub neue Fundamente und die Achse wurde mehr nach Süd-Ost verlegt, um so das Gelände des Erdrutsches zu vermeiden, und dann begann Costa die Mauern zu erstellen. 1774 waren sie beim Dach angelangt und man begann, an die Einrichtung zu denken. Dem Tiroler Maler Anton Zeiler (1716-1794) wurden zwei Bilder für den Chor, drei Deckengemälde des Mittelschiffs, zwei Altarbilder für die beiden ersten Seitenaltare (die später in die Verteidigungskirche gebracht wurden) und die 14 Kreuzwegstationen in Auftrag gegeben. Von sich aus bemalte er mit Fresken die Uhr der Vorderseite. Der Altarbauer Giovanni Muessack (1745-1793) erbaute aus Holz, aber es scheint Marmor, den neuen majestätischen Hauptaltar, und die zwei ersten Seitenaltare, auch diese in marmorierten Holz. Auf dem Gesims des Hauptaltars brachte der Bildhauer Pietro Offner aus Renn in der Nähe von Innsbruck, das Basrelief der Unbefleckten Jungfrau Maria an, das 20 Gulden kostete. Nachdem diese Arbeit Anklang gefunden hatte, erhielt er auch den Auftrag, die vier Nußbaumbeichtstühle vorzubereiten, die er 1775 fertigstellte. In der Mitte der Kirche wurden die zwei alten Altare wieder aufgestellt; der von Brustolon, in dessen Mitte die Statue der Gnadensreichen Madonna mit dem Kind im Schoß, und gegenüber der der Madonna del Carmine mit dem Altarbild von Lazzarini. Als man die Keckt-Orgel im Chor aufstellen wollte, hatten die Kirchenpfleger die glückliche Idee, eine neue bei Gaetano Callido (1727-1823) aus Venedig zu bestellen und die alte an die Verteidigungskirche abzugeben. Aus Venedig wurde das neue Instrument mit dem dazugehörigen gemalten Kasten geliefert. Aus unbekannten Gründen wurde nach einigen Jahren die Callido-Orgel beseitigt (beschädigt?) und nie mehr zurückgebracht. Uns bleibt also ein Kasten, der ein neues Instrument enthält. Die neue Pfarrkirche wurde 1775 von Giuseppe Rudolf Herzog von Edling, Erzbischof von Görz, geweiht. Seit 25 Jahren bestand das glorreiche Patriarchat von Aquileia nicht mehr und die Pfarrei von Cortina, die ihm seit ihrem Bestehen angehört hatte, wurde Görz zugewiesen; bald wäre sie unter das Bistum Brixen gekommen. Aus dem Rechnungsbuch der "Magnifica Comunità" geht hervor, daß das neue Gebäude 8.327 Goldgulden kostete; eine hohe Summe, wenn man weiß, daß die Gemeinde nur wenig mehr als 2.000 Einwohner zählte. Aber da war eben der Ertrag aus den Wäldern, auf den man sich verlassen konnte. Für die Kunstliebhaber fügen wir hinzu, daß sich auf den beiden Seitenaltaren nicht die Altarbilder Zeilers befinden, die im darauffolgenden Jahrhundert in die Verteidigungskirche gebracht wurden, wie schon erwähnt. Auf dem bei der Kanzel, aus grünem marmorierten Holz wurde das Gemälde der Schmerzensmutter von Luigi Gillarduzzi (1822-1856) angebracht, einem Künstler geboren in Ampezzo, der aber immer in Wien gelebt hatte und dort auch gestorben war. Auf dem gegenüberliegenden Altar, auch aus marmoriertem Holz, fand das Altarbild des Hl. Josef seinen Platz, ein Werk des Ampezzaners Giuseppe Ghedina (1825-1896), der zuvor der Kirche die Fresken mit der "Predigt des Battista" und die "Madonna mit den Hll. Rocco und Sebastian" geschenkt hatte, die sich im Hintergrund, unter dem Chor befinden. Außerdem erhielt Ghedina von der "Magnifica Comunità" 1856 den Auftrag für die Fresken der Heiligen Dreifaltigkeit, die wir heute auf der Decke der Apside bewundern können. |
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