Wir haben gesagt, daß die vier Jahrhunderte von Ampezzo eine glückliche freie Epoche waren, aber natürlich nicht alle auf die gleiche Art und Weise. Die Selbständigkeit, die Maximilian Ampezzo versprochen hatte und für die die Ampezzaner bei jedem Thronwechsel in Wien erneut kämpfen mußten, erfuhr einen ersten Stop ca. im Jahr 1780 unter Kaiser Josef II. Während seiner kurzen Herrschaft gelang es ihm, mehr als jedem anderen zuvor, der Monarchie seinen Stempel aufzudrücken, indem er alle Schwierigkeiten überwand, und auch hart mit der Kirche und den anderen sog. "starken Mächten" aneinandergeriet, die ihn vorzeitig ins Grab brachten. Jahrhundertelang waren in Österrreich Tausende von Klostern und geweihte Stätten gegründet worden, die mit Religion fast nichts mehr zu tun hatten. Seine erste Reform war, alle Strukturen zu schließen, die sich mit Wohltätigkeit (oder nur so taten), öffentlicher Fürsorge und Bildung beschäftigten, alles Aufgaben, die nach seinem Willen der Staat übernehmen mußte. In Cortina wurde die Kirche der Hl. Katherina geschloßen, deren Pfarrer auch der Lehrer der Kinder war; ebenso die Kirche St. Nikolaus in Ospitale, weil die Bürokraten aus diesem Namen das sinnverwandte Wort "Ospedale=Krankenhaus" ableiteten, was jedoch nicht zutraf; außerdem auch die sog. "Scuola dei Battuti", die seit Jahrhunderten Pilger aufnahm und ihnen beistand und mit ihnen in der Verteidigungskirche betete, und die folglich auch für alle religiösen Handlungen geschlossen wurde. Die öffentliche Fürsorge wurde der Gemeinde übertragen, ebenso die Schulbildung, die den Geistlichen entzogen und Weltlichen übertragen wurde.
Es wurden alle religiösen Prozessionen außerhalb der Grenzen der Pfarrei verboten. In Cortina z.B. war es Brauch, jährlich mit den Kreuzen zur Gnadenreichen Muttergottes nach Toblach, zur Hl. Dreifaltigkeit nach Andraz und zum Hl. Canciano nach Borca zu pilgern.
Der zweite (oder erste?) Schritt war die Einführung des Strafgesetzbuches in der ganzen Monarchie. Für Ampezzo bedeutete dies den Abschied von den glorreichen Statuten und allen Privilegien, die mit ihnen verbunden waren, das Monopol der Transporte, die Freistellung vom Wehrdienst, die zivile und strafrechtliche Gerichtsbarkeit, die Berufung in Udine, die Steuerfreiheit, usw.
Schließlich wurde eine große Zahl von Burgen, die durch die Artillerie praktisch unnötig geworden waren, aus dem Verteidigungssystem des Kaiserreichs ausgegliedert. Deshalb kam am 28.März 1782 die Burg von Botestagno mit ihren neun, vielleicht auch zehn glorreichen Jahrhunderten, zur Versteigerung.
Die Geschichte von Ampezzo schlug wieder eine neue Seite auf, in der sie alte Rechte verlor, aber einen Schritt ins Moderne machte.
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