Das Jahrzehnt voller Umwälzungen und Kriege hatten alle Länder zermürbt, die neue Anordnung Europas, besonders Norditaliens, war ein Friedenszeichen, mit etwas Neuem… die Gemeinde Ampezzo war kein Grenzort mehr, weil Österreich seine Grenzen verschob, deshalb wurde die alte Grenze von Acquabona aufgelöst. Die Handelsstraße, die in Wirklichkeit ein ca. 2 m breiter Karrenweg war, mit furchterregenden Aufs und Abs, Furte und Schlamm, wurde von jetzt an strategisch wichtig als schnelle Verbindung zwischen den neuen Provinzen. Bald beschäftigten sich die Ingenieure mit ihr. Schon 1823 begannen die Arbeiten im Teilstück zwischen Toblach und Cortina, die schon zwei Jahre später beendet waren. Der ganze Abschnitt bis Conegliano war 1831 fertiggestellt und wurde 1832 zur kaiserlichen Poststraße ernannt. Kaiser Franz I. mit seiner Frau Karolina, benützte sie bei seiner Rückkehr aus Venedig; der Gedenkstein, aufgestellt auf der Cavallera über Perarolo, wurde während des 1. Weltkriegs übel zugerichtet.
Die neue Verkehrsader, genannt "Strada d‘ Alemagna", mindestens 6 m breit, mit konstantem Gefälle und fast ganz auf einer neuen Straßenlinie, brachte sofort neue Verkehrsströme, vorallem öffnete sie die Türen für den Fremdenverkehr. Auch das Holz gewann an Wert und dies erlaubte, einige unerfreuliche Begebenheiten erfolgreich zu überwinden. 1814 begrub ein Bergrutsch vom Antelao zwei Dörfer bei Borca und verursachte 238 Tote; 1823 riß ein Erdrutsch vom Zucco, bei Valle, einen langen Teil der Hauptstraße in die Boite und teilte die Provinz in zwei Teile; 1841 riß eine Schlammlawine vom Faloria den Ortsteil Pecol und die Brücke über der Alemagna mit sich fort, um fast bei der Verteidigungskirche zum Stehen zu kommen. Zwischen 1816 und 1820 wurde das Klima plötzlich rauher und es regnete unaufhörlich. Mehrere Jahre lang reifte das Korn nicht, was Hungersnöte auslöste. Nur der Kartoffelanbau, mit dem damals begonnen wurde, bewahrte viele Leute vor dem Hungerstod, vorallem in den Bergdörfern.
Politisch schien die soziale Situation wieder die gleiche geworden zu sein wie vor der Französischen Revolution und den Geschehnissen unter Napoleon. Aber das war nur eine Illusion, die der Aufstand des Jahres `48, in Paris und Wien begonnen, der sich dann unaufhaltsam in ganz Europa ausbreitete, auslöschte. Wegen seiner Lage hinter dem Cadore, wo der Aufstand besonders hartnäckig geführt wurde, sehr zum Ärger von Radetzky, der im Festungsviereck bei Verona auf Hilfe wartete, aber vorallem, weil es sich an der kaiserlichen Straße Alemagna befand, über die die Verstärkung marschieren mußte, befand sich Ampezzo mitten im Umsturz.
Ab März strömten Truppen verschiedener Herkunft zusammen mit den Freiwilligen aus dem Pustertal nach Ampezzo, die sich mit den beiden Ampezzaner Kompanien verbanden, um die alte Grenze zu bewachen. Ende April, als das Cadore ausdrücklich erklärt hatte, sich dem anti-österreichischen Aufstand anzuschließen und niemanden mehr eine Durchfahrt zu erlauben, der aus Tirol käme, waren in Ampezzo schon zwischen zwei-oder dreitausend Soldaten stationiert. Im Mai, nach kleinen Scharmützeln mit dem Freikorps der Cadoriner, organisiert von Pier Fortunato Calvi, einem österreichischen Ex-Offizier, geboren in Noale, besetzte der österreichische Kommandant Hablitschek das Boite-Tal bis zur Talenge, wo er aufgehalten wurde. Hinter dieser Felsverzweigung (schon im Krieg von Cambray benützt) hatten die Cadoriner einen befestigten Punkt errichtet, von dem aus sie mit zwei (vielleicht drei) Kanonen die Straße kontrollierten. Die Kämpfe dauerten tagelang. Auch mehrere Versuche über die Berge zu kommen, schlugen fehl. Den Freiwilligen Cadorinern gelang es, unter hohen menschlichen Verlusten, die Alemagna auch auf der südlichen Seite Richtung Longarone zu blockieren. In Richtung Karnische Alpen, im Osten, blockierten sie mit Hilfe der Fornesi sowohl die Straße nach Tolmezzo als auch den Weg nach Casera Razzo. Im Norden waren die Päße Misurina und Montecroce Comelico wegen der dichten Schneedecke nicht passierbar. Die Bergfeldschanze, gut von Calvi organisiert, hielt bis zu den ersten Tagen des Juni durch. Dann legte das Cadore die Waffen nieder und machte die Straße frei. Während dieser ungefähr zwei Monaten war Ampezzo Etappenort des österreichischen Heers. Eingedenk der Mißerfolge 1809 bewachten die Freiwilligen den Ort ohne über seine Grenzen hinauszugehen, deshalb gab es keine Gefallenen. Die Kaisertreue, die auch trotz einiger gegenteiliger Aufrufe von jugendlichen Gruppen aufrechterhalten wurde, wurde von der Regierung mit der Verleihung von Medaillen belohnt: aus Gold an die Kommandanten, aus Silber an alle Freiwilligen zusammen mit einer wertvollen Seidenfahne, in die das Bild der Muttergottes gestickt war. Während in Wien Strauß auf seiner Geige den Marsch für den Feldmarschall, der Frieden in Lombardo-Veneto gestiftet hatte, spielte, begann die Monarchie mit den Reformen, natürlich auch in Ampezzo.
Wir erinnern an einige. Die Zensur wurde abgeschafft und die Pressefreiheit gewährt(18. März 1848); Reform des Strafgesetzbuches und Abschaffung der Folter (7. Juli); der Besuch ausländischer Universitäten wurde erlaubt (24.Juli); Beginn der Reform der Volksschule (11. September); Abschaffung der Sondersteuern, die die Juden bezahlen mußten (22. November); Abschaffung der Leibeigenen (19. September); 1849 folgte die Abschaffung der Lehen (27. Oktober); dann noch die Reform des Rechtssprechungssystems (29. November), der Kodex des Strafverfahrens (17. Januar 1850), die politische Reorganisation Tirols; die Einführung der Handelskammern (26. März); eine erste Amnestie für Militärsdelikte während des Jahrs 1848 (6. November).
1851 erfolgten auch die ersten Eingriffe für den Fremdenverkehr und die Einführung des Gästebuchs in den Hotels (15. August); das erste Bahngesetz (16. November); das erste Forstgesetz (3. Dezember) und das erste Jagd- und Fischereigesetz.
Für Ampezzo haben drei königliche Erlässe, die den Grund und Boden der Monarchie regeln und die gerade von den mittelalterlichen Steuerlasten befreit worden waren, eine besondere Bedeutung. Mit dem ersten vom 4. März (1850) wurden allen Steuern auferlegt mit Ausnahme von "allen Oberflächen, die keinen sofortigen Nutzen bringen, wie Berge, Felsen, öffentliche Straßen, Flüße, Kanäle, usw".
Diese Gebiete wurden grundbuchrechtlich der Krone zugeschrieben. In Cortina endeten die Tofane, der Cristallo, der Sorapis, die Croda del Lago und alle anderen tauben und unproduktiven Felsen in Staatsbesitz.
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