Das Gebiet des Falzaregopasses war im Laufe der Jahrhunderte eine wichtige Verbindungsstraße zwischen den ladiner Tälern von Ampezzo, Livinallongo und Val Badia.
47 Historische Postkarten aus den Jahren 1920 - 1950 von Cortina und der Umgebung.
Die Front bei 5 Torri
17 - Neunundzwanzig Monate auf der Tofana.
Cadorna, der erst spät erfuhr, daß Italien Krieg gegen die ehemaligen Alliierten geführt hätte, hatte das Dolomitengebiet der 4. Armee anvertraut. Der Befehl war, entschloßen in die drei natürlichen Richtungen vorzustoßen, um die Bahnlinie Klagenfurt-Franzensfeste zu erobern. Im Westen entlang des Cordevole, über den Campolongo und durch das Badia-Tal bis nach Bruneck; im Osten entlang dem Padola über den Kreuzbergpaß, um Innichen zu besetzen; in der Mitte nach Ampezzo durch das Boite-Tal über das Gemärk, um in Toblach einzufallen. Mit diesem Blitzvorstoß dachte Cadorna, den „Trientiner Keil“ an der Basis zu unterbrechen und die österreichischen Strategen, die dies vorausgesehen hatten, wollten die Truppen bis zur Brenner-Linie zurückziehen. Leider hatte Cadorna wenig Vertrauen in seine Untergebenen, deshalb hatte er dem Befehl zugefügt, Aktionen zu unterlassen, die das Manöver gefährden könnten. Diesem Befehl fügte General Nava, Kommandant der 4. Armee noch seine eigenen Unsicherheiten hinzu. Das Beste wäre ein entschlossener Zug über die Berge, der auf der anderen Seite nur auf eine Handvoll alter Soldaten getroffen wäre, gewesen; aber so traf man, nach einigen Wochen, auf gutorganisierte Verteidigungslinien. Nava, von Cadorna abgesetzt, sagte, daß er auf die Artillerie gewartet hätte, die die Verteidigunsanlagen beseitigen sollte. Es handelte sich dabei um einige alte Forts, die gegen Ende des Jahrhunderts in Livinallongo und Intra I Sass am Anfang des Val Parola zur Verteidigung des Campolongo erbaut worden waren; in Son Pouses, Prato Piazza und Landro, um das Ampezzaner Tal zu blockieren; und oberhalb von Sexten jenseits des Kreuzbergpasses zur Verteidigung von Innichen.
Nachdem alle nur von bescheidenem Ausmaß waren, hatte die Artillerie keine Schwierigkeiten, sie zwischen Juni und Juli zu zerstören, als auch die Straße ins Pustertal schon endgültig geräumt war. Für die königliche Armee begann nun der aufreibende Kampf auf der Südseite der Berge, mit heldenhaften Einzelaktionen, die aber keinen strategischen Wert hatten. Im Cordevole-Tal erwies sich der Col di Lana, nicht einmal ein richtiger Berg, als unüberwindliches Hindernis, auf dem es eine kleine Verteidigungstruppe fertig brachte, die ganze Straße zu sperren. Alle Theorien, die in den Militärakademien unterrichtet wurden, waren mit einem Mal überholt. Dieser sanfte Hügel, fast ohne Felsen und bis zum Gipfel mit Gras bedeckt, blutete die Infanterie aus, bis eine spektakuläre Bombe erlaubte, sich zumindest eine Hälfte anzueignen. Der Campolongo-Paß und die anderen Pässe, die nach Bruneck hinunterführten, wurden nicht einmal berührt.
Das Gleiche passierte im Osten, wo auf Bergen wie Peralba, Quaternà, Popèra, Cima Undici und Croda Rossa, italienische Soldaten und österreichische Verteidiger über Monate hinweg ihren Wert bewiesen, aber die alte Grenze blieb praktisch die gleiche.
In der Mitte, also in dem Tal, das von der Alemagna-Straße durchquert wird, war der Krieg anders, weil die Topographie verschieden war. Die Ampezzaner Mulde war (ist) gegen Süden ausgerichtet und im Norden von Längsbergketten mit tiefen Schluchten geschlossen,Vom Lagazuoi bis zur Tofana, vom Valon Bianco zur Crode d‘Ancona, zum Cristallo. Der Krieg nahm davon bald Kenntnis. Die italienische Infanterie nahm ungefähr am 10. Juni am Felsen von Son Pouses, da, wo an der Talsohle die Straße Richtung Gemärk aufsteigt, Stellung. Diese Position war sehr schwierig für die Angreifer, weil sich die Verteidiger in erhobener und geschützter Position befanden. Nach einer Reihe von Frontalangriffen, ebenso blutig wie unnötig, die den ganzen Monat andauerten, wurden Umgehungsmanöver versucht. Auf einer Seite mit der Besetzung des Col Rosà, der den Vormarsch durch die Progoito-Schlucht und entlang des Fanes-Baches möglich machte. Aber die unglaublichen Schwierigkeiten des Geländes erlaubten nur kleine Vorstösse, ohne die Verteidigung des Son Pouses zu zerstören. Erfolgreicher war auf der rechten Seite die Besetzung des Val Padeon und des Val Granda, vom Tre-Croci-Paß aus beginnend. Den Angreifern gelang es, Ospitale zu besetzen, indem sie sich an den Hängen des Forame und der davorliegenden Croda d‘Ancona einnisteten. Unter vielen Verlusten stieg ein Teil vom Val Gotres herauf, als gegen Ende des Sommers die Kommandanten, wegen fehlender Informationen und vielleicht wegen mangelnder Verstärkung, die Aktion abbrachen, nach Meinung von Experten gerade in dem Moment, als die Umgehung von Son Pouses nahe am Erfolg war. Diese Stellungen blieben den ganzen Krieg lang die vorgeschobensten auf der Straße nach Toblach.
Auf der Straße von Misurina, auf der es möglich gewesen wäre, in Schluderbach einzufallen und die sehnlichst erwünschte Eisenbahn zu erobern, geriet die Aktion beim Monte Piana ins Stocken, eine der blutigsten Schlachten überhaupt. Nur nach monatelangen Angriffen, also schon im zweiten Kriegsjahr, gelang es, das Plateau teilweise zu erobern, also ohne besondere strategische Vorteile. Am Ende des Sommers 1915 war klar, daß die Domäne über die Gipfel notwendig war. Nach wochenlanger, sträflicher Untätigkeit, als die Talsohle dem Greifen nah war, und nach wiederholten Angriffen, um einen Durchgang zu finden, begann jetzt eine andere Art von Krieg.
Beispielhaft das, was rund um die Tofana geschah. Als Antonio Cantore Mitte Juli auf den Geröllfeldern von Fontananegra getötet wurde, war er auf der Suche nach einem Weg um ins Travenanzes-Tal hinabzukommen, um so den Son Pouses zu umgehen. Aber die Österreicher hatten schon auf allen Gipfeln Stellung genommen, vom Sas di Stria zum Lagazuoi, vom Col dei Bos zur Tofana, und natürlich kontrollierten sie den Knotenpunkt von Fanes, den Valon Bianco und alle Nordhänge.
Damals war die Gebirgsjägerabteilung in der 4. Armee noch auf wenige Bataillons beschränkt, im Gegensatz zum österreichischen Heer, das fast nur aus Gebirgsjägertruppen bestand. Dieser Mangel wurde erst ab 1916 abgeschafft. Man darf sich daher nicht wundern, daß, um die Punta Marietta und den Gipfel der Roces zu erobern, die freiwilligen Gebirgsjäger der Kompagnie Feltre gesandt wurden. Aber um ins Travanenzes-Tal abzusteigen, mußte man auch die kleineren Senken und Türme beseitigen, hinter denen sich die wenigen Verteidiger gegen alle Angriffe wehren konnten. Mit gewagten Aktionen fielen nacheinander der Formentòn, die Nemèsis, die Drei Finger, aber um den Castelletto zu erobern, brauchte man eine Mine aus dem Ingenieurlehrbuch.Auf dem Lagazuoi, senkrecht zum Falzarego-Paß, wurden gewaltige Arbeiten ausgeführt. In dieser Art von Mietshaus explodierte mehr als eine Mine. Die italienischen, um zu versuchen, die Jäger aus den oberen Stockwerken zu vertreiben; die österreichischen, um sich von Ettore Martini und seinen Gebirgsjägern, die sich in der Mitte des Berges befanden, zu befreien. Es wäre nötig gewesen, den Sass di Stria zu besitzen, von wo aus man auch die Ruine des Forts Intra I Sass dominierte, aber der fähige Fusetti, der es sich mit einem Handschlag angeeignet hatte, wurde leider zurückgerufen, um ihn dann unnötigerweise in den Tod zu schicken und ihn im nachhinein mit einer goldenen Medaille auszuzeichnen.
Alberto Monticone schreibt, daß ab 1915 „eine neue Bevölkerung den östlichen Teil der Alpen bewohnte, die Höhlen, Schützen-und Laufgräben grub; Straßen, Brücken, Befestigungen und Hütten erstellte; mit Minen einige Gipfel in die Luft sprengte; die Tier-und Pflanzenwelt umwandelte; und bis auf die Gletscher vordrang, um dort zu leben“.
Im November 1917, als die 4. Armee zum Monte Grappa abbefohlen wurde, um Italien zu verteidigen, befanden sich die beiden Heere an der Dolomitenfront zu denen 1916 die Deutschen hinzugekommen waren fast auf der gleichen Linie wie vor zweieinhalb Jahren. Den Italienern war es zwar gelungen, nach und nach die wichtigsten Berge zu besetzen, aber die österreichischen Verteigiger kontrollierten weiter die Pässe und Täler, über die die Italiener hinuntermarschieren mußten, um den berühmten „trientinischen Keil“ abzutrennen.
Es war ein Krieg gekennzeichnet von Heldentaten und Leiden, aber alles in allem ein „glücklicher“. Wenn man alle Gefallenen auf beiden Seiten zusammenzählt, auch die zahlreichen Lawinenopfer, erreicht man nicht die Zahl der Opfer von nur einer der schrecklichen Schlachten auf dem Karst.