Das Gebiet des Falzaregopasses war im Laufe der Jahrhunderte eine wichtige Verbindungsstraße zwischen den ladiner Tälern von Ampezzo, Livinallongo und Val Badia.
47 Historische Postkarten aus den Jahren 1920 - 1950 von Cortina und der Umgebung.
1917 in Revis Parade der Standschützen, die nach Caporetto nach Cortina zurückgekehrt waren
18 - Die ersten zehn Jahre in der faschistischen Uniform
Im Winter 1917 kehrte der Großteil der alten Ampezzaner Soldaten, die drei Jahre zuvor gegen die Russen eingezogen worden waren, heim. Auch wenn noch hunderte von Einwohnern fehlten (Vermißte, Flüchtlinge oder als Soldaten im Krieg an der Piave-Front), fing das Leben wieder an. Man mußte einen Ort, der zweieinhalb Jahre lang von vielleicht 25.000 fremden Soldaten (Italienern) besetzt gewesen war, wiederaufbauen. Die unter den Bomben abgebrannten Dörfer mußten wieder aufgebaut, Wälder und Wiesen von Kriegsmaterial befreit werden, aber vorallem mußte man sich versöhnen. Nur nach dem November 1918, als der Rest des österreichischen Heers auf der Flucht vorbeizog, wurde die Zukunft des Ortes auf dramatische Weise klar und deutlich. Das Kaiserreich war vorbei. Die Grenze wurde an den Brenner verlegt. Die Lokalverwaltung konnte wie in früheren Jahren arbeiten, aber ein italienischer Regierungsbeamter kontrollierte alle Entscheidungen.
Zwischen 1919 und 1920 kehrten auch die Kriegsgefangenen aus Italien und die letzten Vermißten aus Russland heim. 1921 hielt der Nazionale Gebirgsjägerbund zum ersten Mal seine Versammlung in Cortina ab. Das geschah zusammen mit der Einweihung des Denkmals für Cantore. Vergebens hatte der Gemeinderat darum gebeten, auch ein Denkmal für die Ampezzaner Gefallenen errichten zu dürfen.
Im Sommer 1922 kommen zum ersten Mal die Prinzessinnen Giovanna und Mafalda, die Töchter des Königs, nach Cortina. Ab da waren die Mitglieder des Hauses Savoyen immer häufiger in Cortina, am liebsten im Hotel Cristallo oder dem Miramonti.
Am 29. Januar 1923, nach einem Auf und Ab von Erwartungen und Hoffnungen, wurde Cortina (mit Livinallongo und Colle S. Lucia) der Provinz Belluno zugesprochen. Die Mehrzahl der Bevölkerung hoffte, in die alten Provinzen Trient oder Bozen zurückzukehren. Die Proteste waren schwach, um nicht zu sagen nicht vorhanden, man hatte andere Sorgen. Außer der vielen Toten und Vermißten, die ihren Familien fehlten, war das Problem der Witwen und der hunderten von Waisen und die Wirtschaft des Ortes kam nur langsam wieder auf die Beine.
Glücklicherweise beginnt der Tourismus wieder. Im Februar kommt Prinz Umberto, um die Bahnlinie von Calalzo einzuweihen, leider nur eine Schmalspurstrecke. Auch wenn der Thronfolger nur eine Nacht bleibt, natürlich im Hotel Cristallo, ist es doch ein Zeichen beginnender Normalität.
1924 erbaut der venezianische Baron Carlo Franchetti die erste Seilbahn Cortinas, die den Platz vor der Gemeindekirche mit Pocol verbindet. Man kehrt mit Schlitten in den Ort, wo kein Verkehr herrscht, oder auf Skiern zurück. Die neue Wintermode in Cortina wurde, einen "Pocolino" zu machen. Die dramatischen Ereignisse, die Italien erschüttern, vor allem die Rückkehr von Millionen enttäuschter Männer, sind weit entfernt. Genauso weit entfernt erscheint die Machtergreifung Mussolinis. Die lange Welle des Faschismus erreicht Cortina erst im September 1925, als die Aufrührer in die Gemeinderatsversammlung eindringen. Der alte Bürgermeister Dalus dankt ab; Amedeo Girardi, an seiner Stelle gewählt, kann oder will sich mit den Spannungen, die innerhalb des Ortes entstanden sind, nicht auseinandersetzen. Die Presse, angespornt von der noch kleinen faschistischen Gruppe, ruft nach dem Eingreifen des Präfekts, der auf nichts anderes wartete. Am 19. September erklärt er den Gemeinderat, den letzten freigewählten, für aufgehoben und ernennt Girardi, mit dem er sich höchstwahrscheinlich schon vorher einig war, Präfekturkommisar. Vor der Rückkehr zur Demokratie, 1945, folgten gut 23 Kommisare und Bürgermeister. Einige für so kurze Zeit, daß sie kein Unheil anrichten konnten. Andere dagegen, belasteten vor allem den gemeindlichen Immobilienbesitz. Die "Regole d' Ampezzo" besaßen damals nur das Weiderecht und leider noch nicht das Besitzrecht. 1927 gibt es die erste Reibung zwischen Bürgermeister und dem Pfarrer Frenademez wegen des Glockengeläuts, das der Bürgermeister zum Jahrestag des Sieges haben wollte. Der Pfarrer behält mit der Ausrede gewisser "Missionen", gerade in diesen Tagen im Gange, die durch das Glockengeläute gestört worden wären, die Oberhand…
Cortina d‘Ampezzo, wie es jetzt genannt wird, gefällt der faschistischen Partei und seine Tourismusentwicklung wird dadurch begünstigt. Zum Beispiel mit den Bahnvergünstigungen, als die Eisenbahn 1928 elektrisiert wird. Später kommen dann die Gesetze zugunsten der Hotelkredite hinzu. Die amerikanische Krise 1929 trifft auch Cortina, wenn auch mit Verspätung. Im November 1931 geht Amadeo Girardi, Besitzer des gleichnamigen Hotels Bankrott, ein Jahr darauf auch der Konkurs von Giuseppe und Otto Menardi, Vater und Sohn, Inhaber des Hotels Tre Croci. Dieser zweite Bankrott, verursacht durch einen Fehlbetrag von 1.845.000 Lire, endet vier Jahre später mit einem Vergleich zu 5 %, der von der Mehrheit der Gläubiger, also den Banken akzeptiert wurde. Die Eigentümer retteten sich durch eine Finanzierung von 250.000 Lire, die ihnen Dank politischer Bekanntschaften kurz darauf vom Hotelkredit gewährt wurde. Leider wurden Hunderte von kleinen Gläubigern aus Cortina und den nahen Orten, Handwerker, Selbständige, Arbeiter, Sparer und ihre Familien zugrunde gerichtet. Ein soziales Drama, das Gesprächsstoff für Jahrzehnte lieferte.
Aus der Sicht des Tourismus sind die Dreißiger Jahre einmalig. Die Besucher steigen von Jahr zu Jahr und mit ihnen die damit verbundenen Veranstaltungen, die zum Ansehen Cortinas beitragen.
1932 stellt die C.I.T. ( = italienischer Fremdenverkehrsverein) Schaukästen im Corso Nr. 59 auf, der nun Vittorio Emanuele heißt; die ANAS (das nazionale Straßenbauamt) asphaltiert nach mehrmaligen Bitten endlich die Alemagna-Straße(die Dolomitenstraße bleibt weiß bis nach dem 2. Weltkrieg). Nach und nach werden die Autos zahlreicher als die Pferdewagen und deshalb werden die ersten Garagen eröffnet. Diejenige der Brüder Dibona, in der Nähe des Denkmals für Cantore, wirbelt einigen Staub auf, um den Streit zu schlichten, schickt die königliche Oberaufsicht aus Venedig den Dichter Diego Valeri.
1933 beginnt man von einem Haus Balilla (Balilla = Name für die Jungen zwischen 8 14 Jahren, die Mitglieder bei den militärähnlichen faschistischen Gruppen waren) zu reden, das von dem gleichnamigen Institut hartnäckig gewollt wurde. Aus Rom kamen zwar Mahnungen, Ratschläge, Nötigungen und auch versteckte Drohungen, aber nicht das nötige Geld. Deshalb zieht sich diese "leidige Angelegenheit" durch Jahre ohne je das Ziel zu erreichen.
Es kommen die Großen des Regimes. Der häufigste, aber auch der taktvollste Besucher, ist Minister de Stefani, der ein Haus im Ortsteil Manaigo kauft; Italo Balbo dagegen baut sein Chalet in Misurina, wohin er oft kommt, um in den Bergen von Cortina zu wandern; ein anderer, der das Bergsteigen liebt, ist Giuriati, er vertritt sehr gerne die Regierung beim Einweihen der Hütten, die im Krieg zerstört wurden und bei den Feiern der Frontkämpfervereine. In der schwarzen, düsteren Uniform tritt nur Achille Starace auf, der im Winter die Trophäe für das Skirennen "Parteisekretär" sponsert.