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Zwischen Mai 1915 und Oktober 1917 waren die Dolomiten Schauplatz eines der schrecklichsten und unglaublichsten Abschnitte der Geschichte der Menschheit. Auf den Bergen der Dolomiten standen sich im Ersten Weltkrieg, dem Großen Krieg, die italienischen und die österreichischen Streitkräfte in einem erbitterten Stellungskrieg gegenüber.
Die Front teilte die Dolomiten in zwei Bereiche. Diese Linie begann am Cima d'Asta und reichte über Cauriol, Rolle-Pass, San-Pellegrino-Pass, Marmolada, Col di Lana, Falzarego-Pass, Lagazuoi, Tofane, Cristallo und Tre Cime di Lavaredo bis zum Pass am Monte Croce Carnico.
Zwanzig Monate lang lieferten sich hier die Soldaten beider Armeen einen unerbittlichen Kampf und erlebten eine Zeit unglaublicher Leiden, eine Zeit der Erschöpfung, des Blutzolls und der Entbehrung. Zwei lange Winter verbrachten die kämpfenden Parteien auf unseren Bergen, bisweilen nur wenige Meter voneinander getrennt. Und obwohl sie einander bekämpften und aufeinander schossen, litten sie doch unter derselben Kälte, an denselben Schmerzen und unter denselben Entbehrungen. Es war eine furchtbare Schlacht, die da auf den Bergen und im Innern der Berge geschlagen wurde.
Beide Armeen gruben Tunnel, Lauf- und Schützengräben, mit deren Hilfe sie den Feind umgehen und überraschen wollten. Es war der Krieg, in dem mit dem Bajonett ein Gipfel oder eine unbekannte Anhöhe erobert wurde, die womöglich schon wieder kurz danach erneut dem Feind in die Hände fiel. Es war ein Krieg, der unzählige Menschenleben forderte. Alleine auf dem Col di Lana fielen beispielsweise in einer einzigen Schlacht 6400 Italiener und 1800 Österreicher. Und es war der Krieg der Minen, die unter den feindlichen Stellungen gezündet wurden, nachdem sie in monatelanger aufreibender Arbeit in den Felsen eingegraben worden waren.
Der Erste Weltkrieg in den Dolomiten war ein gigantisches Massaker, bei dem es jedoch auch auf beiden Seiten heroische Taten gab. Ende Oktober 1917 fiel die italienische Front nach der Niederlage von Caporetto bis Piave zurück, um anschließend die entscheidende Wende einzuleiten und das verlorene Terrain zurückzuerobern. Die Dolomiten waren nun wieder nichts anderes als wunderschöne Berge, die man bewundern und bestaunen muß. Aber sie tragen auch heute noch die Zeichen jener Schlachten, die Wunden nämlich, die die Bomben und Minen in den Fels geschlagen haben. Das Herz der Dolomiten wird von einem Labyrinth von Tunneln durchbohrt bleiben, die man heute noch am Lagazuoi, am Castelletto della Tofana und in der 'Citta di ghiaccio', besichtigen kann, in der Eisstadt, die von den Gebirgsjägern errichtet wurde, die auf der Marmolada gekämpft haben. Hier kann man Wanderungen auf den Spuren der Geschichte und der Erinnerung unternehmen, Wanderungen gegen das Vergessen.
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