10 Alternativvorschläge zur Entdeckung des verborgenen Antlitzes der Königin der Dolomiten

10 Sehenswürdigkeiten beziehungsweise 10 Gründe mehr, Cortina das ganze Jahr über mit einer Eintagestour unter einem neuen Blickwinkel kennenzulernen. Dieser Ort, der bekannt ist für die Schönheit der von der UNESCO als Welterbe anerkannten Dolomiten, die zahlreichen ganzjährigen Outdoor-Angebote, die Kulturtermine, das umfangreiche Gastronomieangebot und den Lebensstil, bewahrt nämlich ein vielfach unbekanntes Antlitz, das eine Entdeckung wert ist. Und zwar in 10 Etappen.

1 – Die Schätze der Basilika

Die „Reise“ in die Geheimnisse von Cortina startet im Herzen des Ortes, auf der Hauptstraße Corso Italia. Hier befindet sich die Basilika der Heiligen Philippus und Jakobus. Zwischen 1769 und 1775 erbaut und 1975 restauriert, beherbergt sie in ihrem Inneren äußerst wertvolle Kunstschätze: den von Johanes Müssack geschaffenen, mit einem Gemälde von Antonio Zanchi versehenen, spätbarocken Hauptaltar; den holzgeschnitzten, bemalten und vergoldeten Altar der Madonna del Carmine (Maria vom Berge Karmel), der Antonio Lazzarini aus Belluno zugeschrieben wird; und den der Belluneser Schule von Andrea Brustolon zugeschriebenen Altar der Madonna del Rosario (Rosenkranzmadonna) mit Tabernakel. Hinzu kommen außerdem die Fresken von Franz Anton Zeiler und dem vielseitigen Ampezzaner Künstler Giuseppe Ghedina, der im 19. Jahrhundert in Venetien und Friaul tätig war.
Einige interessante Details zum Glockenturm: 1858 eröffnet (der frühere Glockenturm ging auf das 12. Jahrhundert zurück und wurde 1849 abgerissen), erhebt er sich bis in 65,80 Meter Höhe. Zur Vergoldung der Turmkugel wurden in Innsbruck nicht weniger als 60 Dukaten eingeschmolzen. Auch die Glocken kommen aus Innsbruck und erklangen erstmals am 19. November 1858 zur Feier des Namenstages der Kaiserin Elisabeth von Wittelsbach, auch „Sissi“ genannt. Die Turmuhr stammt aus den Sechzigerjahren und verströmt die Musik des Londoner Big Ben.

2 – Das Rätsel um die fünfte Sibylle

Wenige Meter von der Kirche entfernt, auf der anderen Straßenseite des Corso Italia, hütet eine Bank einen Schatz, ohne ihn im Tresor aufzubewahren: Um ihn zu betrachten, braucht man nur das Erdgeschoss der Cassa Rurale ed Artigiana di Cortina d’Ampezzo zu betreten, die sich in dem Gebäude befindet, das einst den renommierten Gasthof „Stella d’Oro“ beherbergte. Hier findet man das auf die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts zurückgehende Fresko der Sibyllen, das Ende des 19. Jahrhunderts im Rahmen einer Restaurierung zufällig wiederentdeckt wurde. 
Das Werk stellt fünf Frauengestalten dar und birgt ein Rätsel: Die erste Figur stellt die Sibylle Valuensis (die Gerechtigkeit) dar, die zweite die Sibylle Nicaulia oder Tiburtinische Sibylle, die dritte die Sibylle Portuensis oder Libysche Sibylle und die vierte die Erythräische Sibylle. Die Identität der fünften Figur, die eine besondere Krone trägt und im Gegensatz zu den anderen Gestalten den Blick nach außen richtet, bleibt hingegen ein Rätsel. 

3 – Ein Haus wie ein Gemälde

Wenn man entlang des Corso Italia in nördlicher Richtung weitergeht, stößt man auf ein wunderschönes, mit Fresken verziertes Wohnhaus: Es handelt sich um das Ciàsa de i Pùpe, die ehemalige Dependance des Hotels „Aquila Nera“ im Besitz von Gaetano Ghedina Tomàš. Anstatt in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten, widmeten sich dessen Söhne Luigi, Giuseppe und Angelo der Malerei und überließen der Gemeinschaft dieses kleine, bunte Juwel im Herzen Cortinas. 
Auf den Wänden sind die Gesichter einiger berühmter Persönlichkeiten zu erkennen: Leonardo Da Vinci, Raffael, Dürer, Tizian, Michelangelo, Dante, Goethe, Shakespeare und – überraschenderweise – Gaetano Ghedina Tomàš selbst. Es sind außerdem die Allegorien der Kunst und Wissenschaft und der vier Lebensalter des Menschen sowie Szenen des Ampezzaner Alltags dargestellt. Eine weiße „Tafel“ zieht die Aufmerksamkeit der Betrachter auf sich: eine von den Brüdern Ghedina initiierte Herausforderung, die sich an jene richtet, die eventuell mit ihrem Talent konkurrieren wollten. 

4 – Die „umkämpfte“ Burg

Die Gegend um Cortina birgt zahlreiche weitere Plätze, die einen Besuch wert sind. Darunter zum Beispiel die Burg „Castello De Zanna“, die gegen Ende des 17. Jahrhunderts auf Wunsch des Adligen Gianmaria De Zanna errichtet wurde. Die einer kleinen Festung ähnliche Burg war bei den Ampezzanern nicht gern gesehen und so wurde ihr Bau 1696 blockiert, da sie den Grundsätzen der damaligen lokalen Verfassung nicht entsprach. 1809 wurde sie von den französischen Truppen in Brand gesetzt und bombardiert. Heute sind von der Burg noch die zwei Türme, Teile der Ringmauer und die Dreifaltigkeitskirche mit einem Altarbild erhalten, das traditionsgemäß Palma dem Jüngeren zugeschrieben wurde, vielleicht jedoch ein Werk von Agostino Ridolfi ist.

5 – Die Burg an einem verwunschenen Ort

Wenn man vom Zentrum Cortinas die Staatsstraße Strada Alemagna (SS 51) entlangfährt, erreicht man nach nur 10 Autominuten den einstigen Standort der Burg Peutelstein. Heute sind nur mehr wenige Überreste dieses imposanten Bauwerks erhalten, doch der Platz ist auf alle Fälle einen Besuch wert, nicht nur wegen seiner historischen Bedeutung, sondern auch wegen des schönen Panoramas, das sich einem hier bietet: Man kann den Blick entlang des Ampezzaner Tals schweifen lassen und den Lauf des Wildbachs Boite, die hügeligen Wiesen und die Silhouette der „Bleichen Berge“ (Bezeichnung für die Dolomiten) verfolgen. 
Die Theorien der Wissenschaftler zum Ursprung der Burg schwanken zwischen dem 9. und 10. Jahrhundert und reichen mitunter sogar bis ins 12. Jahrhundert zurück. Im Laufe der Jahrhunderte hatte sie verschiedene Besitzer: den Patriarchen von Aquileia, die Republik von San Marco, Maximilian I. von Habsburg und schließlich die Ampezzaner. Heute ist die Gegend Teil des Naturparks der Ampezzaner Dolomiten. 

6 – Die Sage von der Brücke „Ponte Alto“ („hohe Brücke“)

Die Burg Peutelstein ist mit einer Sage verbunden, die die nächste Etappe einleitet, welche entlang des Wanderwegs in Richtung Fanes-Wasserfall zur Brücke „Ponte Alto“ auf dem Wildbach Rio Travenanzes führt. Es wird erzählt, dass Anfang des 15. Jahrhunderts im Enneberger Tal der für seine Heldentaten berühmte Ritter namens Brack lebte. 
Der Ritter pflegte oft nach Cortina zu reiten, um seine Verlobte zu besuchen, die in der Burg Peutelstein lebte, womit er sich bei den Ampezzanern und den Besitzern der Weiden, die er zu Pferd überquerte, unbeliebt machte. Diese beschlossen daher, die Brücke, die der Ritter auf dem Weg zu seiner Geliebten passierte, abzutragen. Brack witterte jedoch die Falle, woraufhin er dem Ross die Sporen gab, um das Hindernis mit einem gewaltigen Sprung zu überwinden (wie bei jeder guten Erzählung gibt es auch eine zweite Version, derzufolge die Brücke von einem Sturm zerstört wurde und der Ritter seine Feinde, die ihn verfolgten, dank des kräftigen Sprungs seines Pferdes mit langer Nase abziehen ließ). Heute kann man von der Brücke „Ponte Alto“ aus den beeindruckenden, von den Wildbächen Travenanzes und Fanes geformten Canyon sowie die Abbildung der Heldentat dank einer Reproduktion jenes Gemäldes bewundern, das zur Erinnerung an die zwischen Sage und Wirklichkeit „schwebende“ Geschichte in den Dreißigerjahren nahe der Brücke angebracht war. 

7 – Der Teufel in Ketten

Im Ortsteil Grava steht an einer Stelle mit Panoramablick die im 20. Jahrhundert erbaute Kirche der Heiligen Jungfrau von Lourdes, die größte in allen Ampezzaner Dörfern. In der einschiffigen Kirche befindet sich ein einziger der Heiligen Jungfrau geweihter Altar. Ins Auge fallen vor allem die beiden bemalten Holzskulpturen von Corrado Pitscheider, die an den Seiten stehen: Rechts hält die heilige Lucia ein Tablett mit den Augen, die der Henker ihr herausgerissen hat; links ist der Erzengel Michael dargestellt, wie er einen furchterregenden Dämon in Ketten zertritt.

8 – Das Haus der Zeit

Am Eingang der Via della Difesa, der alten Via Regia, stoßen wir auf ein für Cortina ganz typisches Gebäude. Eine große Uhr an der Wand zeigt die Zeit an und erinnert an den Beruf der ursprünglichen Besitzer: Genau hier befand sich einst eine Werkstatt, in der Wanduhren gebaut und repariert wurden. 
Die noch heute lesbare Wandinschrift „Corazza Ampezzo“ bezieht sich auf den Spitznamen der Ampezzaner Familie Dibetto, deren Mitglieder einst Harnische (auf Italienisch „corazze“) schmiedeten, dann als Schlosser und schließlich als Uhrmacher tätig waren. Am Balkon des Hauses befindet sich eine kleine Hand aus Holz, die zu Spekulationen über die Richtung einlädt, in die sie weist: zur nahen Kirche St. Franziskus oder zum weiter entfernten Friedhof? 

9 – Ein Besuch im 14. Jahrhundert

Neben der „Casa Corazza“ befindet sich ein weiterer kleiner und uralter Schatz von Cortina: die Kirche St. Franziskus. Schriftlich als Eigentum der Familie Costantini erstmals erwähnt wurde die Kirche im Jahre 1396. 
In ihrem Inneren können Sie einen Holzaltar aus dem 18. Jahrhundert und an der Wand des Chors ein zauberhaftes Fresko aus dem späten 14. Jahrhundert bewundern, das drei Heilige zeigt. Ganz rechts steht St. Bartholomäus; wer die anderen beiden sind, ist unklar. Viele Gelehrte vertreten die Ansicht, dass die drei Figuren Teil einer Gruppe der zwölf Apostel waren.

10 – Die „bewaffnete Jungfrau“

Die letzte Station ist einer der liebsten Orte der Ampezzaner, der als Weihgabe an die Jungfrau Maria errichtet wurde. Man erzählt sich, dass sie sich 1412 Im Gemärk gegen die kaiserlichen Truppen von Sigismund von Luxemburg auf die Seite der Bevölkerung stellte. Auf diese Geschichte, die sich mit dem legendären Eingreifen Mariens gegen die Goten viele Jahrhunderte zuvor überlagert, geht das immer am 19. Januar in Cortina begangene Fest der Madonna della Difesa (Madonna der Verteidigung) zurück. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstand die gleichnamige Wallfahrtskirche.
Im Jahre 1743 wurde die Kirche neu aufgebaut und erst achtzehn Jahre später geweiht. Auch aufgrund der zahlreichen Gemälde und Ikonen und der prächtigen Dekoration im Inneren lohnt sich eine Besichtigung. An der Decke fällt sofort ein belebtes Gemälde aus dem 18. Jahrhundert auf, das das Eingreifen der mit einem Schwert bewaffneten Heiligen Jungfrau zeigt; auch die wundervolle Holzstatue aus dem späten 15. Jahrhundert auf dem Hauptaltar stellt die Madonna dar.